Bild: UNIPOR, München. Fotos: LRZ / Unipor, München

Wohnanlage in Augsburg

ID-31-UFotos: LRZ / Unipor, München

Ein leichter Baustoff dämmt die Wärme gut, ein schwerer Baustoff ist der ideale Partner für den Schallschutz – eine weitverbreitete Meinung. Doch so einfach kann man diese beiden bauphysikalischen Kernthemen nicht abhandeln. Schall- und Wärmeschutz bedeuten zwar für jeden Baustoff einen Zielkonflikt, ein Wärmedämmziegel hat jedoch eine passende Antwort hierauf. Eindrucksvoll zu sehen ist dies bei einem Mehrfamilienhaus in Augsburg. Hier wurden nicht nur Wärme- und Schallschutz gekonnt kombiniert, sondern auch die unterschiedlichen Vorgaben einer Baugemeinschaft und eines Bauträgers.

Wohnanlage in Augsburg

Er ist nicht lang, der Prinz-Karl-Weg in Augsburg, und dennoch nimmt er auf seinen knapp 300 Metern einen aufmerksamen Besucher mit auf eine kleine Zeitreise. Dort, wo der Prinz-Karl-Weg in die Schertlinstraße mündet, steht eine imposante Blockbebauung mit begrüntem Innenhof. Aus dem vorletzten Jahrhundert stammend, ist sie ein städtebauliches Zeugnis großzügig angelegter Blockbebauung. Zugleich dokumentiert die Wohnanlage eindrucksvoll die Langlebigkeit des Naturbaustoffes Ziegel. Keine 150 Meter entfernt wurde vor kurzem der moderne architektonische Gegenentwurf fertiggestellt: langgestreckte Wohnungsgeschossbauten, ebenfalls aus Mauerziegeln erstellt. Allerdings hat dieser Wandbaustoff nicht mehr viel mit seinem Vorgänger gemein. Der Ziegel ist geblieben, bauphysikalisch befinden wir uns jedoch im 21. Jahrhundert.

Es könnte auch Stahlbeton sein?

Sie könnten durchaus in Stahlbeton sein, die Baukörper, die die „3+ architektenglogger.müller.blasi“ für die mehrzeilige Wohnanlage in Augsburg entworfen haben: Kuben, auf der einen Seite mit frei verteilten quadratischen Fensteröffnungen. Auf der gegenüberliegenden Seite verdecken vorgelagerte Balkone die großzügigen Öffnungen. Diese vorgestellte Konstruktion zeigt bereits den angestrebten energetischen Anspruch seitens der Architekten und der Bauherrn. Geplant wurden KfW-Effizienzhäuser 55 – dabei ist die Vermeidung unnötiger Durchdringungen und Wärmebrücken Pflichtprogramm. Über die verwendeten Baustoffe konnte relativ frei entschieden werden. Also: Es hätte auch Stahlbeton sein können. Dass dem nicht so ist, beruht auf einem schnell gefundenen Konsens zwischen Auftraggebern und Architekten. Denn das bei Stahlbeton nötige WDV-System war nicht erwünscht. Die Architekten – nicht neu im Geschäft – machten die Erfahrung, dass ein vernünftiges WDV-System bereits in der Erstellung kostengleich mit einer monolithischen Außenwand in Ziegelbauweise ist. Nimmt man noch die Unterhaltskosten und Instandsetzungszyklen hinzu, dann bedarf es keines spitzen Rechenstiftes für diese Entscheidung. Dass man den Ziegelbau erst auf den zweiten Blick als solchen erkennt – oder nach Abklopfen der Fassade – ist jedoch kein architektonischer Schwachpunkt, sondern zeigt wie vielseitig und tiefgestaffelt Ziegelsortimente heute auftreten. Die 3+ architekten verstehen sich als zeitgemäße Interpreten eines über Jahrhunderte bewährten Baustoffes.

Mehr Variantenvielfalt geht nicht

Eine nicht alltägliche Aufgabe stellte die Baugemeinschaft dar: junge Familien mit Kindern, Paare, Singles, Ruheständler und Erwerbstätige. Hier einen gemeinsamen Nenner für die Grundrisse zu finden, war keine einfache Aufgabe. Das Flachdach sowie statisch freispannende Geschossdecken sind eine der architektonischen Antworten hierauf. Vertikale Versorgungsstränge fixieren zwar grob die Lage von Bädern und Küchen, doch ansonsten findet man viele Grundrisskonzeptionen. Auch auf Barrierefreiheit wurde geachtet, denn dies ist nicht unbedingt nur eine Frage des Alters, sondern durchaus auch ein Zugewinn an Komfort.

Mauerziegel vereint geringe Rohdichte mit erhöhtem Schallschutz

Für die Außenwände gab es ein klares Votum: Hier entschied sich die Baugemeinschaft für verfüllte Mauerziegel sowie den dazugehörigen Deckenrandelementen. Diese bieten neben einer guten Wärmedämmung somit auch hohen Schallschutz. Hochlochziegel in den Stärken 11,5 sowie 17,5 Zentimeter bilden die Innenwände. Den erhöhten horizontalen Schallschutz der Wohnungstrennwände leisten 30 Zentimeter starke Verfüll-Planziegel. Eine gelungene (Ziegel-)Kombination, wie die Messprotokolle beweisen: Hier bestätigen sich durchgängig Schallschutzwerte zwischen 56 und 57 Dezibel.

Architekt:

3+ architekten glogger.müller.blasi gbr
Eberlestraße 27a
86157 Augsburg

Ausführende Baufirma:

Dobler GmbH & Co. KG Bauunternehmung
Innovapark 20
87600 Kaufbeuren

Bauherr:

Baugemeinschaft Prinz-Karl-Viertel, Passivhaus GbR, vertreten durch Johann Mayr, Prinz-Karl-Weg 11a, 86159 Augsburg

Standort:

Prinz-Karl-Weg 11a + 13a
86159 Augsburg

Kategorie:

Mehrfamilienhaus

Baujahr:

2014 bis Oktober 2015

 

 

Nettogeschossfläche nach DIN 227:

1.450,00 m²

U-Wert:

0,14 W/m²K

KFW Effizienzhausstandard:

55

Haustechnisches Konzept:

Blockkraftheizwerk (Nahwärme), Photovoltaik und Solarthermie vorgerüstet

Bauträger:

AMG Wohnbau GmbH, vertreten durch Dipl. Ing. (FH) Marcus Hopfenzitz, Max-von-Laue-Straße 10, 86156 Augsburg

Tragwerksplanung:

Geiger - Fischer Ingenieurpartnerschaft
Bergstraße 23
86199 Augsburg

Haustechnikplanung:

EnergiePlan GmbH
Zweigstelle Augsburg
Rosenaustraße 40
86150 Augsburg

Baukosten:

2.800.000 Euro

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