„Staat darf sich nicht auf den Holzweg lotsen lassen“

Appell der DGfM an die Bauministerkonferenz

Foto: Dr. Ronald Rast, DGfM

Wenn Politik sagt, womit gebaut werden soll: In der Baubranche droht ein Konflikt um die politische Bevorzugung von Baustoffen. Es geht um die konkurrierenden Baumaterialien Holz und Mauerstein. Im Fokus der Auseinandersetzung steht der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung. Anlass ist ein Beschluss der Umweltministerkonferenz zur einseitigen „Förderung des Bauens mit Holz“. Darin sprechen sich die Umweltminister dafür aus, Rahmenbedingungen zu schaffen, durch die Holz künftig verstärkt zum Einsatz kommen soll. Das Thema beschäftigte auch die diesjährige Bauministerkonferenz.

Der Dachverband der Mauerstein-Industrie hatte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) und die Bauminister der Länder daher aufgefordert, sich „nicht auf den Holzweg lotsen zu lassen“: Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) kritisiert, dass dem Baustoff Holz in der politischen Lobbyarbeit eine „ökologische Aura“ verpasst werde, die wissenschaftlich so nicht haltbar sei. Gleichzeitig scheinen, so die DGfM, Umweltpolitiker die ökologischen Vorteile vom Baustoff Stein zu ignorieren. Auch bei den Baukosten schneide der Stein im Vergleich günstiger ab. Ebenso bei bauphysikalischen Aspekten, die beispielsweise für den Brand- und Schallschutz relevant seien.

Der Mauerstein-Dachverband fordert die Bauminister auf, sich von einer „staatlich sanktionierten Pro-Holz-Baupolitik“ zu distanzieren. „Wenn der Staat das Bauordnungsrecht für den Baustoff Holz ‚zurechtbiegt‘, dann ist das ein klarer Eingriff in den fairen Wettbewerb“, sagt Dr. Hans Georg Leuck. Der Vorsitzende der DGfM warnt davor, durch „eine ‚Verholzung der Musterbauordnung‘ Einfluss darauf zu nehmen, wie Deutschland künftig seine Häuser baut.“ Hier sollten Qualität, Sicherheit, Preis und bei Wohnhäusern der Komfort die entscheidenden Kriterien sein. „Und das ohne staatliche Einflussnahme. Durch das Herunterschrauben von Standards – etwa beim Brand- und Schallschutz – wird die Gebäudequalität nicht besser. Und wenn Bund und Länder durch das Protegieren eines Baustoffes versuchen, Bauherren das Holzhaus schmackhaft zu machen, dann sind sie politisch auf dem Holzweg und wettbewerbsrechtlich auf ganz dünnem Eis“, sagt DGfM-Chef Leuck.

Bei ihrem „Pro-Holz-Beschluss“ lasse die Umweltministerkonferenz entscheidende Punkte außer Acht: Als Baustoff werden, so die DGfM, fast ausschließlich (zu 96 Prozent) Nadelhölzer (Fichten und Kiefern) verwendet. Bei der Fichte liege der Verbrauch mittlerweile schon um 15 Prozent über dem, was in deutschen Wäldern natürlich nachwachse. „Zu erwarten ist, dass dieser Anteil weiter drastisch steigen wird. Aber schon heute gibt der heimische Wald das Holz schlichtweg nicht mehr her. Immerhin ist Deutschland bereits seit mehreren Jahren Netto-Importeur beim Nadelholz – mit bis zu 3 Millionen Kubikmetern pro Jahr“, so Leuck.

Es werde höchste Zeit, dass die Politik „die starke Öko-Komponente“ vom Baustoff Stein erkenne. Alle Mauersteine bestehen aus den natürlichen Rohstoffen Kies, Sand oder Ton. „Und die sind bundesweit gut verteilt. Der Stein ist damit eine regionale Ressource – mit geringer Transportentfernung.“

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