Wenn Theorie auf Baupraxis trifft

Forschungs- und Entwicklungstag der Deutschen Poroton

Foto: Deutsche Poroton / Christoph Große

In diesem Jahr begeht die Deutsche Poroton ihr 50-jähriges Jubiläum. Im bundesweit einzigen privaten Ziegelforschungszentrum im niederbayerischen Zeilarn fand aus diesem Anlass ein Forschungs- und Entwicklungstag statt. Poroton-Vorsitzender Johannes Edmüller: „Für uns geht es darum, die Poroton, ihre Mitglieder und Produkte fit zu machen für die anstehenden Aufgaben. Wichtig ist dafür der Austausch zwischen Forschung und Praxis. Ich bin sehr froh, dass unser hochkarätig besetzter Wissenschaftlicher Beirat als Impulsgeber zur Verfügung steht.“

Prof. Dr.-Ing. Carl-Alexander Graubner, TU Darmstadt, wies die Nachhaltigkeit von Ziegelmauerwerk im Vergleich zu anderen Bausystemen nach. Ziegel erreicht über einen Zeitraum von 50 Jahren Werte, die denen von Holz oder Beton mindestens ebenbürtig sind, zum Teil sogar deutlich besser. Zugleich profitieren Investoren und Bauwirtschaft von bis zu 15 Prozent Kostenvorteil.

Prof. Dr.-Ing. Detleff Schermer, OTH Regensburg, stellte Robustheit und sehr guten Schallschutz von Ziegelmauerwerk in den Mittelpunkt. Die Produktentwicklungen bei verfüllten Ziegeln haben zu ausgezeichneten Tragfähigkeiten geführt, die bis zu neun Geschosse in monolithischer Bauweise möglich machen.

Braucht es künftig Chips in jedem Ziegel?

Die Anregungen aus der Wissenschaft nahm eine Podiumsdiskussion teils kontrovers auf. Adressiert an die neue Regierung forderte Prof. Michael Voigtländer mehr Bauland in den Ballungsgebieten. Nur so ließe sich verhindern, dass Wohnen zum Luxusgut wird. Unternehmerin Gisela Raab, RAAB Baugesellschaft, kritisierte die ständig wachsenden Vorgaben, etwa im Brandschutz, die es nahezu unmöglich machen, preiswert zu bauen. Prof. Piero Bruno, Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin, unterstützte ausdrücklich aus der Perspektive der Architektenschaft. Gemeinsames Ziel müsse es sein, wieder einfacher zu bauen – was für den Ziegel spricht. Für wichtige Ziele wie Brandschutz und Barrierefreiheit sollte es Zielvorgaben mit flexiblen Wegen geben. Dringenden Handlungsbedarf sehen die Bauprofis in Aus- und Fortbildung, um Fehler in der Ausführung zu minimieren. Für Lorenz Bieringer, Geschäftsführer Wienerberger, Hannover, besteht die wichtigste Aufgabe der Industrie darin, die Produktpalette um digitale Dienstleistungen und Services zu erweitern. Allerdings wird BIM auf absehbare Zeit nicht dazu führen, „dass wir unsere Ziegel mit RFID-Chips ausstatten.“

Wissenschaftlicher Beirat und Vorstand der Deutschen Poroton: Prof. Andreas Holm, Prof. Detleff Schermer, Prof. Klaus Peter Sedlbauer, Clemens Kuhlemann, Johannes Edmüller, Lorenz Bieringer und Prof. Carl-Alexander Graubner (v. l. n . r.).

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