Aufbau nach dem Hochwasser

Simbacher schöpfen Hoffnung

Foto: Franz Kökeny

Klaus Schmid, Bürgermeister von Simbach am Inn, begrüßt am 18. Mai Architektur- und Baufachjournalisten aus ganz Deutschland zu einem Stadtspaziergang. Die Bewohner der niederbayrischen Kleinstadt sind dabei, die Wunden an Bausubstanz und Seele, Folgen der Flutwelle von Anfang Juni vergangenen Jahres, zu heilen. Anfang März trafen wir Klaus Schmid zum Gespräch.

Lebensraum Ziegel: Herr Schmid, hinter den Simbachern liegen arbeitsreiche Monate. Wie schätzen Sie die Situation in der Stadt und die Stimmung der Bewohner ein?

Klaus Schmid: Die groben Aufräumarbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Mittlerweile haben viele Betroffenen die von der Landesregierung zugesagte finanzielle Hilfe erhalten, die zu etwa 80 Prozent die Verluste abdeckt. Die restlichen 20 Prozent versuchen wir teilweise aus den eingegangenen Spenden – zirka 1,6 Millionen Euro sind zusammengekommen – zu bedienen. Im Mai werden diese Mittel nach den für die Stadt Simbach am Inn ausgearbeiteten Spendenrichtlinien, basierend auf einem Punktesystem, verteilt.

Das ist sicher auch einer der Gründe, warum sich mehr und mehr Aufbruchsstimmung breit macht. Und das Erleben der vielen Helfer und Spenden trägt dazu bei. Aber versuchen Sie sich vorzustellen, innerhalb weniger Minuten alles zu verlieren. Das zu verarbeiten braucht seine Zeit.

Man sieht immer noch Häuser, von denen der Putz abgeschlagen wurde; Auslagen von Geschäften sind mit Spanplatten verschlossen. Wie lange wird es dauern, eine gewisse Normalität herzustellen? Und was ist 2017 konkret geplant?

Klaus Schmid: Wir sind uns einig, dass es zwei bis drei Jahre dauert, bis alles wieder auf Stand ist. Hier geht es ja nicht nur um die notwendigen finanziellen Mittel. Auch die in der Region vorhandenen Bauhandwerkskapazitäten sind begrenzt, sodass wir derzeit von Verzögerungen bei den Bausanierungen ausgehen müssen. Was die Innstraße mit besonders vielen betroffenen Geschäften und Ladenlokalen angeht, ist einiges noch unklar. In diesem Jahr haben wir bereits viele städtische Infrastrukturmaßnahmen in Angriff genommen. Diese Maßnahmen werden uns noch Jahre beschäftigen.

Die Simbacher haben viel Unterstützung erfahren, unmittelbar nach der Katastrophe und in den darauf folgenden Wochen und Monaten. Freiwillige halfen bei den Aufräumarbeiten, es gingen private Spenden ein, auch die Kirchen waren mit Engagement vor Ort. Was ist derzeit das Wichtigste?

Klaus Schmid: Dafür sorgen, dass der Simbach nicht wieder zum reißenden Strom wird. Verbesserter Hochwasserschutz hat Priorität! Unsere Schäden im kommunalen Bereich beziffern sich auf 40 bis 45 Millionen Euro. Über ein Infrastrukturprogramm können wir diese Gott sei Dank bis zu 100 Prozent auffangen. Wir verbinden den Wiederaufbau mit wirksamen Maßnahmen zum Hochwasserschutz und der Neugestaltung des Stadtzentrums, die den Simbach integriert. Und mehr Grün. Die Stadt hat bereits ein Viererteam aus Stadt- und Verkehrsplaner, Landschaftsarchitekt und Wirtschaftsgeograf beauftragt. Die dafür notwendigen zusätzlichen Mittel werden uns teilweise aus der Städtebauförderung zur Verfügung gestellt.

Simbach soll laut Entwürfen der Planungsgemeinschaft eine „grüne Mitte“ bekommen – ein Streifen aus Grünflächen mit Fahrrad- und Gehwegen. In der ersten Märzwoche haben Sie die Pläne vorgestellt. Was sagen die Bürger dazu? Wie beziehen Sie die Simbacher bei der Entwicklung der neuen Stadtmitte ein?

Klaus Schmid: Die Leute stehen schon gemeinsam dahinter. Mehr Schutz, verbunden mit mehr Lebensqualität – warum sollte jemand dagegen sein. Schwierig wird es im Detail: Etwa wenn es um eine geänderte Verkehrsführung geht und der ein oder andere Bürger mit Haus und Grundstück direkt davon betroffen ist. Damit jeder gehört wird und sich in die Diskussion und Planung einbringen kann, veranstalten wir von Ende Mai an sogenannte Bürgerwerkstätten.  

Wir danken für das Gespräch.


Am 1. Juni 2016 wälzte sich mitten am Tag eine verheerende Flutwelle durch die Innenstadt von Simbach. Fünf Einwohner kamen ums Leben, rund 500 Häuser wurden beschädigt, fast 1.000 Menschen – jeder zehnte Simbacher – verloren ihr Zuhause. Insgesamt wird der Schaden auf eine Milliarde Euro in ganz Bayern beziffert. Ein großer Teil der Betroffenen war nicht versichert.

Eine Katastrophe dieses Ausmaßes hatte niemand erwartet, schon gar nicht vom unscheinbaren kleinen Simbach. Die Ursache für die Flut war ein in dieser Form noch nie dagewesenes Starkregenereignis. Durch die topografische Lage hatte sich das Wasser nördlich des Stadtgebietes gesammelt und kam den Bachgraben runtergeschossen – mit 400 m³/s. Maximales Fassungsvermögen sind 60 m³/s.

Laut Gutachten haben sich insgesamt 5.300.000 Kubikmeter Wasser und Schlamm in den Ort ergossen. Bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h wurde alles mitgerissen.

Die Schäden in der Kommune einschließlich Infrastruktur belaufen sich auf 40 bis 45 Millionen Euro, der Umfang der privaten Schäden ist nicht abschätzbar.

 

 

 

 

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