Bauweisen und Baustoffe müssen neu bewertet werden

Die Initiatoren erläutern die Hintergründe der Informations- und Marketingkampagne Lebensraum Ziegel.

Bild 1 Sie koordinieren die herstellerneutrale Informations- und Marketingkampagne der deutschen Mauerziegelbranche: Hans R. Peters, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e. V. und Geschäftsführer Mein Ziegelhaus, Dr. Thomas Fehlhaber, Geschäftsführer Unipor, und Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer Deutsche Poroton (v. l. n. r.). Foto: Lebensraum Ziegel / Christoph Große

Bild 2 Moderne Mauerziegelprodukte gewährleisten sicheren Geschossbau bis zu neun Geschossen und erfüllen alle Anforderungen an Wärme-, Brand- und Schallschutz. Foto: Lebensraum Ziegel / Frank Korte

Interview mit Dr. Thomas Fehlhaber, Geschäftsführer Unipor, Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer Deutsche Poroton, und Hans R. Peters, Geschäftsführer Mein Ziegelhaus.

 

Heute startet eine Informations- und Marketingkampagne für  Hintermauerziegel. Initiatoren sind Unternehmer der deutschen Mauerziegelindustrie. Warum?

Dr. Thomas Fehlhaber: Ganz kurz gesagt: ein rasant gewachsener Informationsbedarf und ein bislang fehlendes Konzept für Marketing zum Mauerziegel.

Clemens Kuhlemann: Durch Entwicklung von neuen Produkten und Ziegelsystemen ist die Industrie heute in der Lage, den spürbaren Aufschwung im mehrgeschossigen Wohnungsbau aktiv mitzugestalten. Bislang war im vierten Geschoss sozusagen Schluss, was die Statik angeht. Hightech-Ziegel von heute machen sicheren Geschossbau bis zu neun Geschossen möglich. Das müssen wir stärker kommunizieren. Zentrales Instrument dafür ist die Webseite www.lebensraum-ziegel.de.

Hans R. Peters:  Wir haben in Deutschland vier Produktgruppen des Mauerziegels mit Markenwert. Bisher haben die dahinter stehenden Unternehmen nur zum Teil Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Und schon gar nicht gemeinsam. Der Wettbewerb praktiziert seit Jahren ein in der öffentlichen Wahrnehmung konzertiertes Vorgehen. Unsere technische Zusammenarbeit zeigt, dass gemeinsames Potenzial nicht nur in Technik, Normung und Zulassung bestehen kann, sondern – darauf aufbauend – im herstellerneutralen Gattungsmarketing für den Mauerziegel. Hier setzen die Unternehmer an, um die wachsenden Werte der Ziegelbauweise darzustellen.

 

Was meinen Sie damit?

Hans R. Peters:  Moderne Mauerziegel sind in der Lage, alle komplexen Anforderungen an das Bauen problemlos zu erfüllen. Das betrifft den Wärme-, Brand- und Schallschutz ebenso wie die Statik. Von besonderer Bedeutung sind ein wohngesundes Raumklima dank Speicherfähigkeit sowie Wartungsarmut und Wertzuwachs.

Dr. Thomas Fehlhaber: Investoren äußerten Bedenken zur Fokussierung auf zusätzliche Dämmschichten als scheinbar einzige Möglichkeit zum effektiven Wärmeschutz. Auf der Suche nach echten Alternativen sind erfreulicherweise monolithische Konstruktionen ins Blickfeld gerückt, die die Baukosten niedrig halten, ausreichend Brandschutz bieten und deren Instandhaltungskosten über die gesamte Standzeit gering sind.

Clemens Kuhlemann: Bau- und Wohnungswirtschaft befinden sich im Wandel. In den Ballungszentren beobachten wir den Trend zur Verdichtung, bei dem wir mit der Ziegelbauweise gut punkten können. Sie erfordert zeitgemäße Überlegungen zum Brand- und vor allem Schallschutz. Diese Entwicklung wird auch das Mikroklima beeinflussen. Massive Konstruktionen bieten notwendige Speichermassen und sorgen im Inneren für angenehmes Raumklima – im Winter wie im Sommer. Auch mit Blick auf die demografische Situation ein neu zu bewertender Vorteil der Ziegelwand.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie mit der EnEV 2016?

Dr. Thomas Fehlhaber: Die nächste Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) belastet die Außenwand überdurchschnittlich. Das kritisieren wir, weil in modernen Gebäuden die Wärme kaum noch über die Wand verloren geht. Deshalb werden wir uns verstärkt in die öffentliche Debatte einmischen, um Klarheit zu schaffen. Demgegenüber begrüßen wir die geplante Verschärfung der Berechnung von Fensterflächen. Sogenannte Glaspaläste, die mit teurer Klimatechnik temperiert werden müssen, sollten wir uns nicht länger leisten. Außerdem votieren wir, vor allem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, für Ersatzneubau statt Sanierung. Auch in diesem Zusammenhang ist die Speicherfähigkeit von gebranntem Ton neu zu bewerten.

 

Eine Fülle an Aufgaben und Herausforderungen. Mit welchen Instrumenten starten Sie?

Hans R. Peters: Heute ist die Webseite www.lebensraum-ziegel.de online gegangen. Wir informieren unsere Zielgruppen durch Pressearbeit und über soziale Netzwerke darüber, was sich in der Mauerziegelbranche und der Ziegelwelt tut. Darüber hinaus bieten wir Marktforschung für die regional agierenden Unternehmen und Webinare. Für den am Ziegel interessierten Hausherren in spe gibt es verschiedene Informationsangebote. So kann er unter anderem nach Spezialisten für die Planung und Ausführung von Ziegelhäusern in seiner Region suchen. Qualifizierte Hinweise zum Verbraucherschutz bietet unser Kooperationspartner, der Bauherren-Schutzbund e. V.

Dr. Thomas Fehlhaber: Erstmals zeigen wir die mittelständischen Unternehmer. Die Mehrzahl der Betriebe agiert regional und befindet sich – zum Teil seit Generationen – in Familienhand. Sie stellen nicht nur für die Bauwirtschaft in Deutschland eine wichtige Säule dar. Der Wirtschaftszweig beschäftigt mehr als 1 500 gewerbliche Mitarbeiter und bildet aus. Wohlwissend, dass die Ziegler in einem energieintensiven Wirtschaftszweig arbeiten, setzen sie alles daran, Ressourcen zu schonen, beispielsweise durch effiziente Produktionstechnologien, straffes Energiemanagement und die Nutzung erneuerbarer Energien.

 

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