Herausforderung Städtebau

Ob Neubau oder Sanierung, Ziegel überzeugen im Geschosswohnungsbau mit ihren bauphysikalischen Eigenschaften.

Foto: Lebensraum Ziegel / Deutsche Poroton

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Juni 2016 (PRG) – Das Rhein-Main-Gebiet, eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas, zieht jährlich tausende Menschen an. Frankfurt am Main zählt zu den deutschen Städten mit dem größten Bevölkerungszuwachs. Der prosperierende Dienstleistungssektor ist ein Mekka für Fachkräfte. Prognosen besagen, dass im Jahr 2030 über 800.000 Menschen verschiedenster Herkunft in der deutschen Finanz- und Handelshochburg leben werden.

In allen Wachstumsphasen entstanden in Stadtrandlagen neue Quartiere. Die Lösungen für die City sind Nachverdichtung und Umnutzung. Das Potenzial der vielfältigen Stadtviertel wird nachhaltig genutzt. Im Jahr 2014 wurden insgesamt knapp 3.600 neue Wohnungen fertiggestellt, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Kommunale Aufgabe ist es, Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen anzubieten und sozial ausgewogene Quartiere zu gestalten: Nach wie vor besteht Bedarf vor allem im bezahlbaren Geschosswohnungsbau.

Darauf reagiert eine der größten Wohnungsbaugesellschaften Deutschlands, die ABG Frankfurt Holding, mit Ideen und hohem Nachhaltigkeitsanspruch. Mit einem Bestand von mehr als 51.000 Einheiten bietet sie Wohnraum für fast ein Viertel der Frankfurter Bevölkerung und gestaltet aktiv die kommunale Wohnungswirtschaft – beispielgebend in Deutschland.

Renaissance einer Arbeitersiedlung

Im Stadtteil Riederwald passt die ABG Frankfurt Holding in mehreren Bauabschnitten bei ihrem Bestand Wohnungsgrößen und Grundrisse aktuellen Bedürfnissen an und baut zum Beispiel Freisitze, um den Wohnwert typischer Reformarchitektur zu verbessern. Die alten Arbeiterwohnungen mit zwei Zimmern waren klein und eng. Nun können sich Singles, Paare, junge Familien und Senioren in Wohnungen mit bis zu fünf Zimmern auf maximal 95 Quadratmetern einrichten.

Das Büro Christoph Mäckler Architekten setzte bei dem Sanierungsvorhaben auf den Baustoff Ziegel. Das massive Material garantiert gute statische Qualitäten und eine wohngesunde Wärmedämmung. Für die neuen Wohnungstrennwände wurden aus Schallschutzgründen Planverfüllziegel verarbeitet.

Die Sanierung wird gleichzeitig genutzt, um Energiekosten zu minimieren – auch hier setzt der Ziegel Maßstäbe: An der Außenwand wird bewusst auf ein künstliches Wärmedämmverbundsystem verzichtet und stattdessen auf eine Wärmedämmfassade aus verfüllten Ziegeln gesetzt.

Nachverdichtung mit wissenschaftlicher Begleitung

Die ABG erweitert die Riederwaldsiedlung zudem um 16 Reihenhäuser. Sie sind zugleich Forschungsprojekt des Instituts für Stadtbaukunst der Technischen Universität Dortmund für energieeffizientes Bauen, gefördert durch Mittel der Deutschen Bun-desstiftung Umwelt.

Die Häuser werden als Passivhaus und als KfW-Effizienzhaus 70 errichtet. Bei gleichen Wohnflächen von 115 Quadratmetern variieren sie in Wandaufbau und Stärke der Außenwand. Ziel des Forschungsprojekts ist es, über drei Heizperioden hinweg monolithisches Mauerwerk aus Ziegel und Betonwände mit einem Wärmedämmverbundsystem an der Fassade hinsichtlich der energetischen Verbrauchswerte miteinander zu vergleichen.

Bereits Flächen in einem bestehenden Quartier für eine Nachverdichtung zu nutzen und nicht auf einem neu zu erschließenden Areal zu bauen, hat großen Einfluss auf die Nachhaltigkeit und Gesamtenergiebilanz der Gebäude. Berücksichtigt man dabei die Energie, die für Erschließung und Mobilität aufgewendet werden muss. Im Sommer sollen die Häuser in der Schlettweinstraße bezugsfertig sein.

Baustoff für nachhaltigen Städtebau

Mit „Wohnen bei St. Jakob“ entstanden in der Grempstraße im Stadtteil Bockenheim im Jahr 2001 Frankfurts erste Geschosswohnungen in Passivbauweise. Heute ist Frankfurt die Passivhaus-Hauptstadt Europas. Seit 2007 gelten für alle städtischen Neubau- und Sanierungsvorhaben die Anforderungen nach Passivhausstandard. Die Fokussierung allein auf einen geringen Primärenergiebedarf wird in der Fachwelt zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung des Gebäudes über die gesamte Standzeit kontrovers diskutiert.

Im Stadtteil Kalbach errichtete die ABG im Rahmen des „Mittelstandsprogramms der Stadt für familien- und seniorengerechten Mietwohnungsbau“ eine Wohnanlage in Passivhaus-Ziegelbauweise, mit 2-Zimmer-Wohnungen für Senioren bis hin zu 5-Zimmer-Wohnungen für kinderreiche Familien.

In der Lebenszyklus-Betrachtung von der Rohstoffbeschaffung bis zur Wiederverwertung ist Ziegel einer der nachhaltigsten Baustoffe. Die Vorgaben des Bauherrn hinsichtlich Energieeffizienz, ökologischer Unbedenklichkeit und Langlebigkeit erfüllt der gebrannte Ton optimal. Zudem benötigen die 49 Zentimeter starken Außenwände der Gebäude „Am Hasensprung 129 und 131“ zur Erreichung des Passivhausstandards keine zusätzliche Dämmschicht. Ziegel mit einem ausgefeilten Lochbild und einer Mineralwoll-Füllung aus natürlichem Basaltgestein gewährleisten die erhöhten Anforderungen.

In fünf kompakten Gebäuden sind 50 Wohneinheiten mit offen gestalteten Grundrissen entstanden, bei denen Bauweise und Baustoffe zu hohem Komfort und einer effizienten sowie nachhaltigen Nutzung beitragen.

Wohnraum auf altem Industrieareal

Wo Anfang der 1980er-Jahre noch das Stammwerk der Vereinigten Deutschen Metallwerke stand, erstreckt sich heute auf 60 Hektar das Mertonviertel. Zunächst Büro-Retorte am Stadtrand, haben sich ein Büro-, Verwaltungs- und Forschungsstandort und eine lebenswerte Wohngegend entwickelt. Auf gut der Hälfte des Areals stehen Reihenhäuser und mehrgeschossige Wohnhäuser in modernem Baustil. Sie bieten Wohnraum für 3.000 Menschen, vor allem für junge Familien – in grüner Umgebung und gut angebunden an die City.

Zwischen Sebastian-Kneipp-Straße und Hildegard-von-Bingen-Weg befindet sich ein Ensemble aus neun Gebäuden direkt am Urselbach. Alle Häuser entstanden nach der gleichen Gestaltungsidee. Am Fassadenzustand deutlich zu erkennen: Sechs davon wurden in massiver Ziegelbauweise errichtet, die unter anderem die Veralgung der Fassade verhindert. Bauherr ist die Merton Wohnprojekt GmbH, eine Tochter der AGB. Sie hat sich durch Architekt Karl Dudler vom Baustoff Ziegel überzeugen lassen. Dank der positiven Eigenschaften entstand wohngesunder und wartungsarmer Bestand mit schallschutzoptimierten 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen, mit Größen zwischen 62 und 142 Quadratmetern.


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