Bauphysik – Schallschutz

3. Berechnung der Luftschalldämmung von Mauerwerk aus Hochlochziegeln nach Zulassung Z-23.22-1787

Der Nachweis der Schalldämmung von Bauteilen erfolgt bislang nach Beiblatt 1, DIN 4109 (Nov. 1989). Die Berücksichtigung der flankierenden Übertragung wird mit dieser Norm allerdings nur unzureichend abgebildet. Vor diesem Hintergrund wird die DIN 4109 derzeit vollständig überarbeitet und an das europäisch genormte Rechenverfahren der DIN EN 12354 angepasst, mit dem eine akustische Energiebilanzierung vorgenommen werden kann, die eine sehr viel bessere Prognose der tatsächlichen Schalldämmung in Gebäuden zulässt. Auf Basis der DIN EN 12354 sowie des derzeitigen Stands der Technik hat die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V. bereits am 10.03.2010 beim Deutschen Institut für Bautechnik die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-23.22-1787 erwirkt, mit der die Erstellung eines bauordnungsrechtlichen Schallschutznachweises für die Luftschalldämmung von Mauerwerk aus Hochlochziegeln nach den neuesten Erkenntnissen prognosesicher möglich ist.

Schallübertragswege

In DIN EN 12354-1 erfolgt eine wesentlich detailliertere Berechnung der tatsächlichen Schallübertragungswege. Neben der direkten Übertragung durch das trennende Bauteil sind auch die flankierenden Bauteile wie Außen- und Innenwände sowie Decken an der Weiterleitung von Schallenergie beteiligt, insgesamt also 13 Wege, die über das trennende Bauteil und 12 Übertragungswege der Flanken verlaufen.

Schallübertragung über das trennende Bauteil (RDd) und die flankierenden Bauteile (RFf, RFd, RDf) horizontal und vertikal

Einen ebenfalls zu beachtenden Einfluss auf die Übertragung von Schallenergie hat die Art der konstruktiven Ausführung von Bauteilanschlüssen des trennenden Bauteils zu den flankierenden Bauteilen. So gehen die Verbindungsstellen „Außenwand-Trennwand“ für horizontale Übertragung bzw. „Außenwand-Decke“ für vertikale Übertragung entsprechend ihrer Konstruktionsweise als Stoßstellendämm-Maße Kij direkt in die Berechnung des bewerteten Schalldämm-Maßes des flankierenden Bauteils ein. Trennende Bauteile von hoher flächenbezogener Masse erhöhen mit zunehmender Einbindetiefe die Schalldämmung im Knotenpunkt von flankierenden Bauteilen, die eine geringere flächenbezogene Masse aufweisen. Stoßstellendämm-Maße können über die jeweiligen flächenbezogenen Massen der beteiligten Bauteile rechnerisch oder durch bauakustische Messung ermittelt werden. Anhaltswerte für Kij bei horizontaler Schallübertragung über eine flankierende Außenwand mit Einbindung einer schweren Wohnungstrennwand siehe Kapitel „Wohnungstrennwände aus Planfüllziegeln“.

Berechnung des bewerteten Bau-Schalldämm-Maßes R'w zwischen zwei Räumen (vereinfachtes Modell)

mit:
RDd,w Direktschalldämm-Maß Trennbauteil
Ri,w Direkt Dämm-Maß Flankenbauteil 1
Rj,w Direkt Dämm-Maß Flankenbauteil 2
Kij Stoßstellen-Dämm-Maß des Knotens
S Fläche des trennenden Bauteils
V Empfangsraumvolumen
lf Verbindungslänge der Bauteile in [m]
l0 Bezugslänge = 1 m

Berechnung der Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w

Um neben der Beurteilung der Schalldämmung der Bauteile auch ein Bewertungskriterium für den Schallschutz zwischen 2 Räumen zu erhalten, kann die bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w herangezogen werden. Sie ergänzt das bewertete Schalldämm-Maß R'w durch eine Betrachtung der Raumgeometrie.

mit:
S Fläche des trennenden Bauteils
V Empfangsraumvolumen

Bewertetes Schalldämm-Maß einschaliger, homogener und quasi homogener Bauteile

Homogene und quasi homogene einschalige Bauteile sind solche, deren Schalldämmung unmittelbar aus der flächenbezogenen Masse ermittelt werden kann.

Berechnung des bewerteten Schalldämm-Maßes Rw für homogene bzw. quasi homogene einschalige Bauteile aus flächenbezogener Masse:

mit:
m'0 = 1 kg/m²

Berechnungsformel oben gilt nicht für:

  • 65 kg/m² < m'ges < 720 kg/m²
  • Mauerziegel, RDK > 2,0 (es gilt wie unten: Rw,bau,ref)

Bewertetes Schalldämm-Maß von Mauerwerk aus wärmedämmenden Hochlochziegeln

Für Mauerwerk aus wärmedämmenden Hochlochziegeln kann die vorhandene Schalldämmung unter derjenigen liegen, die aufgrund der flächenbezogenen Masse für (quasi) homogene Bauteile zu erwarten ist.
Für solches Mauerwerk muss mit dem verlustkorrigierten (In-situ-Korrektur), bewerteten Direktschalldämm-Maß Rw,Bau,ref aus Prüfzeugnissen gerechnet werden.

Bestimmung der flächenbezogenen Masse m' einschaliger massiver Wände

mit:
m' Flächenbezogene Masse allgemein
d Dicke der Bauteilschicht in m
ρ Rohdichte von Wand/Putz in kg/m³
m'ges m' der verputzten Wand in kg/m²
m'W m' der unverputzten Wand in kg/m²
m'P Flächenbezogene Masse m' der vorhandenen Putzschicht in kg/m²

Bewertetes Direktschalldämm-Maß Rw für einschaligesa), raumseitig verputztesb) zusatzgedämmtesc) Hintermauerwerk

Bewertetes Direktschalldämm-Maß Rw für einschalige, beidseitig verputzte (je 15 mm Gipsputz) Ziegel-Innenwände

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