Bauphysik – Schallschutz

6. Wohnungstrennwände aus Planfüllziegeln

Um die Vorteile großformatiger Leichtziegel, wie beispielsweise schnelle, einfache Verarbeitung, optimaler Putzgrund, auch bei der aus bauakustischen Gründen schweren Wohnungstrennwand nutzen zu können, wurden Planfüllziegel entwickelt.

Wohnungstrennwände aus Planfüllziegeln werden zunächst mit Dünnbettmörtel aufgemauert. Der Mörtelauftrag erfolgt im Tauchverfahren oder mit Hilfe eines Auftraggeräts (z.B. Mörtelwalze). Nach dem geschoßhohen Aufmauern der Trennwand bis zur Unterkannte der Decke werden die Hohlkammern vorgenäßt und sorgfältig mit fließfähigem Beton C12/15 ausgegossen. Es entsteht eine Trennwand von hoher Rohdichte. Eine Verdichtung mit Rüttelflasche ist nicht notwendig.

Ausführungshinweise für schalldämmende Wände

Um die zu erwartenden Schalldämm-Maße nicht durch bauliche Mängel zu reduzieren, sind folgende Ausführungsregeln zu beachten:

Hinweise zur Konstruktion der Einbindung

Der Schallschutz der Trennwand ist abhängig von der flächenbezogenen Masse m' der raumumschließenden Bauteile und der Biegesteifigkeit der Bauteilanschlüsse in den Knotenpunkten. Alle Anschlüsse an Wände und Decken sind hohlraumfrei auszuführen. Bei fehlerfreier Ausführung wird der Schallschutz mit zunehmender Einbindung der Trennwand in das flankierende Bauteil verbessert. Begründen lässt sich dieser Effekt mit der dämpfenden Wirkung des einbindenden schweren Bauteils auf die Schalllängsleitung in der durchgehenden flankierenden Wand.

Bei monolithischer Bauweise (einschaliges Mauerwerk) wird jedoch mit zunehmender Einbindung der Trennwand die Wärmedämmung der flankierenden hochwärmedämmenden Außenwand im Knotenbereich verringert. Zur Reduzierung des Wärmebrückeneffekts empfiehlt sich daher die Einlage zusätzlicher Wärmedämmung ab einer Einbindetiefe von etwa zwei Drittel der Dicke der flankierenden Wand.

Eine Durchbindung, wie in Bild A und Bild B dargestellt, bewirkt eine optimale Stoßstellendämmung Kij.
Diese Variante ermöglicht bei fachgerechter Planung und Ausführung Wohnungstrennwände, deren bewertetes Schalldämm-Maß über den Anforderungen des erhöhten Schallschutzes (R'w ≥ 55 dB) liegt.

Allerdings ist dabei auf zusätzliche Wärmedämmung an der Außenseite der durchbindenden Wohnungstrennwand zu achten. Die Wärmedämmung kann an der Stirnseite angebracht oder direkt in die äußere Hohlkammer des Füllziegels integriert werden.

Mit der Schlitzeinbindung (Bild C) wird eine geringere Dämpfung der Schalllängsleitung der flankierenden Außenwand erreicht als bei der Durchbindung. Hierbei sollte beachtet werden, dass die schallabstrahlende Flankenlänge L möglichst kurz gehalten wird.

Der Anschluss einer schweren Wohnungstrennwand an eine leichte Außenwandflanke in Form eines Stumpfstoßes sollte vermieden werden, da die Mindestanforderungen an den Schallschutz zwischen zwei schutzbedürftigen Räumen in dieser Ausführung nicht gewährleistet werden können.

Bei leichten, nichttragenden Trennwänden mit einer flächenbezogenen Masse m' ≤ 150 kg/m², die an Wohnungstrennwände anschließen, ist der Anschluss als Stumpfstoß bauakustisch entkoppelt herzustellen. Siehe auch Abschnitt „Ziegel-Innenwandsystem ZIS“.

Steckdosen, Schlitze und Installationen

Werden in Wohnungstrennwänden, die die Anforderungen nach DIN 4109 erfüllen müssen, Installationsleitungen verlegt, so hat der verbleibende Restquerschnitt diesen Maßgaben zu genügen.

Zugunsten des Schallschutzes sollte grundsätzlich auf Installationen in Wohnungstrennwänden verzichtet werden. Bei Wohnungstrennwänden aus Schallschutzziegeln oder Planfüllziegeln, können dennoch begrenzt Elektroinstallationen ausgeführt werden. Der Umfang sollte aber auf ein Minimum beschränkt werden. Dabei ist besonders zu beachten:

  • Elektrodosen nicht direkt gegenüberliegend anordnen. Versatzmaß (lichter Abstand) ≥ 40 cm,
  • Flache Installationsdosen verwenden – keine zu tiefen Ausfräsungen erstellen,
  • Elektrodosen in ungeschnittenen Ziegeln anordnen,
  • bei Dosen im Bereich einer mörtelfreien Stoßfuge die Fuge hinter der Dose satt vermörteln,
  • auf Rohrleitungen grundsätzlich verzichten.

Weitere Hinweise liefert die Broschüre „Schlitze und Aussparungen“ (→ http://www.dgfm.de/www.dgfm.de)

A Durchbindung, Variante 1

Direktschalldämm-Maß der flankierenden hochwärmedämmenden monolithischen Außenwand aus Planziegeln:
erf. Rw,Bau,ref ≥ 48 dB

Stoßstellendämm-Maß im Übertragungsweg der flankierenden Außenwand (Ff):
KFf (bzw. K13): ca. 8 bis 11 dB
(bei Einbindetiefe ca. 0,7·d)

Bewertetes Schalldämm-Maß:
R'w ≥ 56 dB

B Durchbindung, Variante 2

Direktschalldämm-Maß der flankierenden hochwärmedämmenden monolithischen Außenwand aus Planziegeln:
erf. Rw,Bau,ref ≥ 48 dB

Stoßstellendämm-Maß im Übertragungsweg der flankierenden Außenwand (Ff):
KFf (bzw. K13): ca. 8 bis 11 dB
(bei Einbindetiefe ca. 0,7·d)

Bewertetes Schalldämm-Maß:
R'w ≥ 56 dB

C Schlitzeinbindung

Direktschalldämm-Maß der flankierenden hochwärmedämmenden monolithischen Außenwand aus Planziegeln:
erf. Rw,Bau,ref ≥ 48 dB

Stoßstellendämm-Maß im Übertragungsweg der flankierenden Außenwand (Ff):
KFf (bzw. K13): ca. 7 bis 9 dB
(bei Einbindetiefe ca. 0,5·d)

Bewertetes Schalldämm-Maß:
R'w ≥ 55 dB


Legende:
01 Armierungsgewebeeinlage in den Außenputz (Leichtputz)
02 Monolithische Außenwand aus Planziegelmauerwerk,
     d = 36,5 cm, λR = 0,07 - 0,14 W/mK, Rw = 48 - 52 dB
03 Außenkammer der Füllziegel mit Wärmedämmung gefüllt
04 Wärmedämmung WLG 035, d ≥ 8 cm
05 Flachstahlanker V4a, jede 2. Lage je zwei Stück

06 Stoßfuge knirsch ausgeführt, an Oberflächen vermörtelt
07 Wohnungstrennwand aus Planfüllziegeln, d = 24,0 cm
08 Geschoßhohe Füllung der Hohlkammern der Planfüllziegel mit fließfähigem Beton C12/15 (Körnung 0-16 mm)
09 Kalkgipsputz innen, d = 1,5 cm
10 Stoßfuge satt vermörtelt, d ≥ 2,0 cm
11 Leichtputz außen, d = 2,0 cm

Neues aus der Welt der Ziegel

Sie haben interessante Informationen oder wollen eine Veranstaltung auf Lebensraum Ziegel veröffentlichen?
Dann nutzen Sie unseren Service!

 

zum Veröffentlichungsservice