Mauerwerk – Tragende Wände

2. Kelleraußenwände

Die Nutzung moderner Keller kann überwiegend als wohnraumähnlich angesehen werden. Diese hochwertigen Nebenräume erweitern den Lebensraum und steigern den Wert des Hauses. Kellermauerwerk aus Ziegel schafft behagliche Raumqualität und ist sicher plan- und ausführbar, sofern die allgemein anerkannten Regeln der Technik beachtet werden. Dazu zählen insbesondere DIN 18195 für eine fachgerechte Abdichtung sowie DIN EN 1996 bzw. DIN 1053, nach denen die Standsicherheit von Kelleraußenwänden unter bestimmten Voraussetzungen vereinfacht ermittelt werden kann. Sofern Kellerräume beheizt werden, sind diese in die Berechnungen nach Energieeinsparverordnung einzubeziehen. Kelleraußenwände sind ebenfalls einschalig, ohne zusätzliche Wärmedämmung ausführbar. Aufgrund der ständigen Horizontallasten aus Erddruck wird für Kelleraußenwände aus Planhochlochziegeln eine Wanddicke d ≥ 365 mm empfohlen.

Im vereinfachten Bemessungsverfahren nach DIN EN 1996-3 bzw. DIN 1053-1 wird rechnerisch geprüft, ob

  • die Mindestauflast aus ständigen Lasten die Biegebeanspruchung aus Erddruck überdrückt und
  • die maximale Auflast (ständige + veränderliche Lasten) nicht zum Druckversagen im Mauerwerk führt.

Vereinfachte Bemessung nach DIN 1053-1

Die Tragfähigkeit der Kelleraußenwand wird hinsichtlich Erddruck- sowie Vertikalbeanspruchung nachgewiesen. Auf genaueren rechnerischen Nachweis darf verzichtet werden, sofern die Bedingungen der Tabelle unten eingehalten sind.

Für die Bemessung sind zwei Verfahren anwendbar:

  • Verfahren 1: Überprüfung der ständigen Auflast No unter der Kellerdecke
  • Verfahren 2: Überprüfung der Wandlängsnormalkraft N1 in halber Anschütthöhe

Verfahren 1: Prüfung von No unter Kellerdecke

Verfahren 2: Prüfung von N1 in halber Anschütthöhe

Bei Kellerwänden mit aussteifenden Querwänden:

Vereinfachte Bemessung nach DIN EN 1996-3 (Eurocode 6, Teil 3)

Erddruckbeanspruchte Kellerwände dürfen wie rechts dargestellt vereinfacht berechnet werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

mit:
NEd,max Bemessungswert der größten vertikalen Belastung in halber Anschütthöhe
NEd,min Bemessungswert der kleinsten vertikalen Belastung in halber Anschütthöhe
d Wanddicke
b Wandbreite
hs lichte Höhe der Kellerwand
he Höhe der Anschüttung
ρe Wichte der Anschüttung
fd Bemessungswert der Mauerwerksdruckfestigkeit fd = 0,85 · fkM
β Beiwert zur Abminderung der Mindestauflast bei Aussteifung durch Querwand
 β = 20 für bc ≥ 2 · hs
 β = 60 - 20 · bc/hs für hs < bc < 2 · hs
 β = 40 für bc ≤ hs
bc Achsabstand von Aussteifungswänden

Abdichtung von erdberührten Kelleraußenwänden aus Mauerwerk nach DIN 18195

Kellermauerwerk muss horizontal durch besandete Bitumenbahn R 500 z.B. nach DIN EN 13969, mineralische Dichtungsschlämme (MDS) nach DIN 18195-2 oder Material mit gleichwertigem Reibungsverhalten abgedichtet werden. Diese Querschnittsabdichtung wird während der Erstellung des Mauerwerks in die Lagerfuge unter der ersten Ziegelschicht eingebracht. Für die außen liegende vertikale Abdichtung (Flächenabdichtung) ist zu beachten: Zur Aufnahme der Dichtungsmittel sind die Mauerwerksflächen vollfugig zu vermauern bzw. bei unvermörtelten Stoßfugen mit zulässigen Stoßfugenbreiten (a ≤ 5 mm) auszuführen.

Fehlstellen sind mit geeignetem Mörtel zu schließen. Je nach Art der Hinterfüllung des Arbeitsraumes und der gewählten Abdichtung sind für die abgedichteten Wandflächen Schutzmaßnahmen bzw. Schutzschichten vorzusehen. Vor Ausführung der Abdichtung ist der Lastfall der Feuchtebeanspruchung vom Planer eindeutig vorzugeben. Die Ausführung der Abdichtung erfolgt in Abhängigkeit dieser Feuchtebeanspruchung.

Hinterfüllen des Arbeitsraumes

Die Annahmen der statischen Berechnung sind auch bei der Ausführung zu beachten. Dies betrifft besonders den Zeitpunkt der Auffüllung des Arbeitsraumes:

  • Eine Hinterfüllung des Arbeitsraumes ist erst möglich, wenn der rechnerisch angesetzte, auf die Kelleraußenwände wirkende Mindestwert der ständigen Auflast min. N0 nach DIN 1053-1 bzw. NEd,min nach DIN EN 1996-3 (EC 6) voll erreicht ist.
  • Bei den normativ festgelegten Werten wurde außer dem Erddruck entsprechend der Auffüllhöhe eine ruhende Verkehrslast von 5 kN/m² berücksichtigt (Gerüstlast). Nach EC 6 sind zusätzlich Einzellasten ≥ 15 kN näher als 1,5 m an der Wand auszuschließen. Das bedeutet, dass der Arbeitsraumbereich nicht direkt durch Baustellenfahrzeuge, Mörtelsilos etc. belastet werden darf, da die hieraus resultierenden Lasten zu einer erheblichen Überschreitung der zugrunde gelegten Annahmen führen würden.
  • Es ist zu gewährleisten, dass bei Verfüllung und Verdichtung des Arbeitsraumes nur nichtbindiger Boden gemäß DIN 1054 und nur Rüttelplatten oder Stampfer mit folgenden Eigenschaften eingesetzt werden:
    • Breite des Verdichtungsgerätes ≤ 50 cm
    • Wirktiefe ≤ 35 cm
    • Gewicht ≤ ca. 100 kg bzw. Zentrifugalkräfte ≤ 15 kN

Anderenfalls sind entsprechende Maßnahmen zur Gewährleistung der Standsicherheit während des Einbaus der Verfüllmassen zu ergreifen, oder ein gesonderter Nachweis unter Berücksichtigung höherer Verdichtungslasten zu führen.

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