Im Hamburger Ortsteil Lokstedt wurde getreu regionaler Verbundenheit zum Mauerwerk ein Bürogebäude aus hochwärmedämmenden Ziegeln errichtet.

Elegantes Bürogebäude aus Mauerziegeln

ID-47-U Fotos: LRZ / Unipor, München

Im Hamburger Stadtteil Lokstedt fügt sich ein neues Bürogebäude gekonnt in sein bauliches Umfeld ein. Die Herausforderung bei Planung und Bau bestand in dem speziellen Grundstückszuschnitt: Dieses ist deutlich länger als breit. Als Baustoff kamen massive Mauerziegel zum Einsatz. Diese werden den Ansprüchen gerecht, die sowohl mit dem Baukonzept als auch der anschließenden Nutzung einhergehen.

Elegantes Bürogebäude aus Mauerziegeln

Die Siedlung Lokstedt ist ein beliebter Vorort im Norden Hamburgs. Die Bebauung des im Ort liegenden Straßenzuges „Rütersbarg“ besteht aus Wohn- und Gewerbegebäuden verschiedener Epochen. Es überwiegen die vor circa einem Jahrhundert entstandenen, teilweise villenartigen, hell verputzten und sparsam verzierten Wohngebäude. Bis auf wenige Ausnahmen verfügt der Straßenzug über eine intakte, aus Sattel- und Walmdächern bestehende Dachlandschaft.

Das von den ortsansässigen Architekten Andreas Pflügelbauer und Julian Scheffczyk konzipierte Gebäude liegt am nördlichen Ende der Straße. Hier siedelten sich vor dem zweiten Weltkrieg zahlreiche Wäschereibetriebe an, die heute einer Büronutzung gewichen sind. Führt Besucher der Weg an dem neuen Bürogebäude vorbei, kann man nicht anders als innehalten. Viel zu selten überrascht traditionell moderne Architektur, die feines Gespür offenbart.

Eng – ja und?

Länger und schmaler geht nicht. Fast viermal so lang wie breit zwängt sich das Grundstück, auf dem das Gebäude errichtet wurde zwischen die bestehende Bebauung. Das Gebäude ist 37 Meter lang und gerade mal sieben Meter „breit“. Im Zusammenspiel mit den nördlich und südlich gelegenen Nachbargebäuden ergeben sich schöne dreiseitig geschlossene Hofsituationen, die das Gebäude im hinteren Bereich großzügig freistellen. Das Bauwerk fügt sich so auf ruhige, respektvolle Art in den Kontext und ergänzt die städtebauliche Situation logisch. Zur Straße hin präsentiert es sich reduziert mit seiner im Sinn der klassischen Architekturlehre dreigeteilten und klar strukturierten Stirnseite.

Feinkörniger heller Kratzputz, hochformatige gleichmäßig angeordnete Fensteröffnungen sowie das steil aufragende Walmdach greifen Architekturelemente der umgebenden Bauwerke auf. Die umlaufenden Putzbänder und das unterhalb des Obergeschosses angeordnete Profil-Gesims geben der Fassade eine klare horizontale Gliederung. Dies alles ist architektonische Gestaltung klassischer Prägung. In der radikalen formalen Vereinfachung aller Bauelemente jedoch führt der Entwurf mitten hinein in die Architektur der Moderne. Niedrigere Fensterhöhen sowie ein breiteres Putzband gestalten das sockellose Erdgeschoss zu einem geschosshohen „Sockel“, der das Gebäude nahtlos aus dem Erdboden emporschießen lässt. Mit derselben Kompromisslosigkeit kappt ein steil geneigtes Walmdach in der Höhe. In gleichmäßig gesetzten vertikalen Achsen stehen Fenster auf Fenster, darüber raumhohe Gauben – dazwischen verlaufen vereinzelt symmetrisch gesetzte Regenfallrohre. Dies alles wird fein mit scharfkantigen Linien gezeichnet und schafft so die große Bühne für den mittig in die südliche Längsfassade gesetzten Eingang.

Ein stimmiges Konzept

Besser kann der Eingang auch nicht gesetzt werden, denn von außen kaum erkennbar teilt er das Gebäude auf seiner Hälfte und löst so elegant alle Grundrissprobleme. Bis zu sechs autarke Einheiten können abgetrennt und von dem zentral liegenden Treppenhaus erschlossen werden. Bei einer Gebäudebreite von knapp unter sieben Metern gibt es keine Belichtungsprobleme – der Raumaufteilung sind diesbezüglich also kaum Grenzen gesetzt. Vorzufinden sind sehr individuell angepasste Grundrisse: von durchgesteckten Großräumen bis hin zu Einzelräumen, die über einen seitlichen, langgestreckten Gang verbunden sind. Allen Konzepten gemeinsam ist das großzügig über die Nordfassade einfallende Tageslicht.

Gretchenfrage nach dem Wandaufbau

Bei so hoher architektonischer Qualität stellt sich die Frage, ob diese wörtlich durch geht oder: Das Verlangen, an die Fassade zu klopfen, ist groß und der dunkle Ton entkräftet die schlimmsten Befürchtungen. Kein WDV-System und aufgeklebte Dämmstoffgesimse, sondern – ganz in der Ziegeltradition Hamburgs – massives Mauerwerk durch und durch. Alles andere wäre auch eine große Enttäuschung. „In Ziegelbauweise, ansonsten Stahlbeton soweit statisch erforderlich“ ist eine gängige Maklerphrase, um Stahlbeton als wertiges Ziegelmauerwerk zu verkaufen. Wird diese Devise jedoch so konsequent umgesetzt wie von Pflügelbauer und Scheffczyk, sieht das Ergebnis anders aus: Es ist nur noch wenig Stahlbeton zu finden, das meiste kann mit Ziegel besser gebaut werden.

Der Stahlbeton steckt in der Bodenplatte, der Gründung sowie den Geschossdecken und dem Treppenhaus. Ansonsten wurde die Außenfassade nahezu komplett mit einem wärmegedämmten Hochleistungsziegel erstellt. Dass dies das bessere Konzept als Stahlbeton ist, davon sind die Architekten und auch die bei der Erstellung beteiligte Baufirma Elbe-Bau-Contor (Hamburg) überzeugt. Mauerziegel werden in der Umgebung gefertigt, sind somit ökologisch sinnvoll. Zudem ermöglicht die Dämmstoff-Füllung in den Ziegel-Hohlkammern auch in Zeiten verschärfter EnEV-Vorgaben monolithische Wandkonstruktionen. Der Gesamtaufbau der Außenwände ist klassisch: 1,5 Zentimeter Kalkinnenputz, der 36,5 Zentimeter breite Mauerziegel sowie zwei Zentimeter Unterputz mit 1,5 Zentimeter Oberputz als Kratzputz. Mit einer monolithischen Ziegelkonstruktion bei 41,5 Zentimetern einen U-Wert von 0,184 W/(m²K) zu erreichen – davon konnten Architekten früher nur träumen.

Um einen U-Wert von 0,184 W/(m²K) im Außenmauerwerk zu erreichen, wurden die Fensterlaibungen mit Wärmedämmputz ausgeführt. Zudem wurde das große Angebot an Sonderbauelementen genutzt, wie zum Beispiel dreiteilig kompakte Ziegel-Wärmedämmstürze und Deckenabmauerziegel.

Ein bisschen Gips darf sein

Bei dem energetischen Gesamtkonzept ist man mit einem hochwärmegedämmten Außenmauerwerk bereits auf der sicheren Seite, ohne hierbei eine Luft-Wärmepumpe als rein flankierende Maßnahme abzuwerten. Auch solche Bausteine gehören, zusammen mit unter anderem hochwärmegedämmten Fensterkonstruktionen, zum Gesamtpaket einer energetisch verantwortungsbewussten Architektur. Bei der Bestellung der Mauerziegel vermisste der Hersteller sicherlich die Chargen für das Innenmauerwerk. Wie so häufig jedoch steht bei Gewerbebauten die flexible Nutzung im Vordergrund. So auch bei diesem Vorhaben: Der Trockenbau machte daher das Rennen. Beim Ziegelmauerwerk denkt man in größeren Zeitfenstern und so findet man dieses überall dort, wo es am wichtigsten ist: in der Außenfassade des neuen Bürogebäudes.

Architekt:

Andreas Pflügelbauer
Rütersbarg 52
22529 Hamburg

Bauherr:

GbR Rütersbarg
Elbe-Bau-Contor GmbH
22529 Hamburg

Standort:

Rütersbarg 52
22529 Hamburg

Kategorie:

Funktionsbauten

Baujahr:

Juli 2018 - April 2019

 

 

Nettogeschossfläche nach DIN 227:

612,00 m²

Ziegelformat:

36,50 cm gefüllt

U-Wert:

0,18 W/m²K

Haustechnisches Konzept:

Luft-Wärmepumpe

Verarbeiter Mauerwerk:

Nehrmann GmbH
Am Beeck 3a
23826 Todesfelde-Voßhöhen

Errechneter Jahresheizwärmebedarf:

60,6 kWh/(m2a)

Baukosten:

circa 1,5 Millionen Euro

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