Fachtreffen gegen die Wohnungsnot

Kommunales Wohnungsbaugespräch in Ingolstadt

Foto: Bayerischer Ziegelindustrie-Verband e. V.

Der Bayerische Ziegelindustrie-Verband (BZV) und die Bauinnung Oberbayern haben am Mittwoch im Canisiuskonvikt Ingolstadt ein Kommunales Wohnungsbaugespräch veranstaltet. Unter dem Motto „Bezahlbarer Wohnungsbau – nachhaltig, wohngesund und kosteneffizient“ diskutierten Thomas Schmid, Geschäftsführer der Bauinnung Oberbayern, Michael Binder, Obermeister der Bauinnung Ingolstadt/Pfaffenhofen, Peter Hülsen, BZV-Bereichsleiter Politik, Anton Knapp, Landrat des Landkreises Eichstätt, und Stadtrat Karl Spindler in Vertretung von Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel mit Vertretern aus Kommunen, Politik und Wirtschaft über die Lage auf dem Wohnungsmarkt und in der Bauwirtschaft. Zusätzlich informierten Bauexperten in kurzen Vorträgen darüber, wie Kommunen günstigen Wohnraum mit hoher Qualität schaffen können.

BZV-Vertreter Hülsen nannte den politischen Einfluss auf das Bauen immens. Die Abschaffung des sozialen Wohnungsbaus 2001 und der Eigenheimzulage 2006 hätten wesentlich zur aktuellen Krise auf dem Wohnungsmarkt beigetragen. „Darum sind wir froh, dass die Staats- und die Bundesregierung mittlerweile wieder erkannt haben, dass das gesellschaftliche Megathema Bauen nur mit Unterstützung der Politik gemeistert werden kann.“ Vor allem aus dem noch jungen bayerischen Bauministerium erhoffe man sich weitere Impulse. Mehr Stabilität für die Bauwirtschaft brächten zum Beispiel steuerliche Regelungen, die den Verkauf von Baugrund für Landwirte attraktiver machen. Außerdem solle den Bauherren die Entscheidung überlassen werden, mit welchen Technologien und Baustoffen die Energieeinsparvorgaben erreicht werden. „Das würde Genehmigungsverfahren beschleunigen, das Bauen günstiger machen und damit den angespannten Wohnungsmarkt zügiger entlasten.“

Ingolstadt will mit gefördertem Wohnungsbau an Bayerns Spitze

Als stark prosperierende Großstadt sei Ingolstadt in besonderer Weise mit dem Thema Wohnbau befasst, sagte Stadtrat Spindler: „Die Stadt wächst und braucht Wohnraum. Wir begegnen diesem Umstand mit einem umfassenden Maßnahmenpaket, an dessen Spitze das Sonderbauprogramm I steht. Unter anderem durch eine große Bauoffensive unserer Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft ist es gelungen, eine inzwischen deutlich spürbare Entspannung auf dem Immobilienmarkt zu erzielen.“ Der Anstieg der Preise sei weitgehend gestoppt. „Trotzdem – oder gerade deshalb – lassen wir jetzt nicht nach, sondern schließen ab dem Jahr 2020 nahtlos ein zweites Sonderbauprogramm an.“ Bis 2026 solle der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen auf ein bayerisches Spitzenniveau von elf Prozent steigen. Durch die Ausweisung neuer Baugebiete und Rekordzahlen bei den Baugenehmigungen habe die Stadt für junge Familien bereits viel geleistet. Um immer auch den Flächenverbrauch im Blick zu haben, sei ein Hochhaus-Programm aufgelegt worden. „Das Ziel aller Maßnahmen ist stets, jeder Bevölkerungsgruppe einen passenden und vor allem bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können.“

Grundlage für den erfolgreichen kommunalen Wohnungsbau ist laut dem Eichstätter Landrat Knapp die Flächenverfügbarkeit. „Der Gesetzgeber muss daher alles daran setzen, dass Städte und Gemeinden ohne Gängelung an das notwendige Bauland kommen.“ Das bedeute für ihn unter anderem: klare Vorkaufsrechte für die Kommunen und keine Ausgleichsflächen für die kommunale Bauleitplanung. „Auch Verwaltungsvereinfachungen sind meines Erachtens ein Schlüssel für erfolgreichen und bezahlbaren Wohnungsbau.“

Anstatt der von der Bundesregierung angepeilten 375.000 pro Jahr gebauten Wohnungen wurden zuletzt nur rund 236.000 Wohnungen errichtet, erklärte Oberbayerns Bauinnungsgeschäftsführer Schmid. „Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, muss vor allem der Bund gegensteuern. Er ist in der Pflicht, den sozialen Wohnungsbau stärker zu fördern, genossenschaftliches Wohnen besser zu unterstützen und das selbstgenutzte Wohneigentum zu stärken.“ Ein guter Schritt sei der Beschluss des Bundesrats für Sonderabschreibungen für Investoren im Mietwohnungsbau. Das bringe Geldgebern die nötige Planungssicherheit. „Aber auch die Kommunen müssen einiges tun, damit Bauprojekte überhaupt beginnen können. Besonders die Großstädte brauchen wirkungsvolle Baulandstrategien und Baulandmodelle.“ Der Ingolstädter Bauinnungsobermeister Binder sieht auch das energieeffiziente Bauen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: „Wir müssen Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum in Einklang bringen. Darum begrüßen wir die Anstrengungen der Baustoffindustrie in diese Richtung. Gerade hier zeigt die Massivbauweise wie mit Ziegel ihre Vorteile.“

Wie kommunales Bauen konkret günstig und sozial- und umweltfreundlich gestaltet werden kann, zeigten drei Bauexperten auf. Raimund Griebel, Inhaber des Ingenieurbüros Griebel, ging auf Nachhaltigkeit und Ökologie im Wohnungsbau ein. Dabei leiste gerade der Mauerziegel einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz: „Er wird aus regionalen Rohstoffen hergestellt und hat durch den geringen Energieverbrauch bei der Produktion eine Sonderrolle unter den Massivbaustoffen.“ Mit der guten CO2-Bilanz bei der Herstellung, der Funktion als natürliche Klimaanlage und seiner langen Lebensdauer sei der Ziegel einer der klimafreundlichsten Baustoffe.

Massivbau-Praxisbeispiel Kindergarten Geisenfeld

Architekt Hans Finsterer machte deutlich, wie öffentliche Gebäude umweltfreundlich, preisbewusst und langlebig gebaut werden können: „Nachhaltigkeit beginnt bei einer vorausschauenden und flächensparenden Planung, setzt sich fort in der Wahl der Baumaterialien und endet in der langen Nutzbarkeit des Gebäudes.“ Am Beispiel eines Kindergartens in Geisenfeld im Landkreis Pfaffenhofen beschrieb er den positiven Einfluss der massiven Ziegelbauweise auf Raumklima, Wärmedämmung und Schallschutz. „Die Planung in dieser konventionellen Bauweise spart Bauherren auch Geld, weil die Handwerker ihren Aufwand auf der Baustelle so genauer kalkulieren können.“ Außerdem sei zum Beispiel keine Vorfertigungszeit wie bei Holzbauten nötig.

Schließlich sprach Doris Schmid-Hammer, Leiterin des Sachgebiets Wohnungswesen der Regierung von Oberbayern, über Fördermöglichkeiten im kommunalen Wohnungsbau durch den Freistaat Bayern. Auch in den eher ländlich geprägten Gegenden sei es inzwischen schwer, eine günstige Wohnung zu finden, sagte die Bauverwaltungsexpertin. „Darum gibt es ein Wohnungsbauförderprogramm speziell für Kommunen. Mit Zuschüssen und Darlehen unterstützt der Freistaat die Gemeinden dabei, selbst Wohnraum zu planen und zu bauen. Das Programm bietet bewusst große Gestaltungsspielräume, in denen Projekte je nach konkretem Bedarf umgesetzt werden können.“


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