„Bauen muss bezahlbar bleiben“

Pressereise der Deutschen Ziegelindustrie

Dr. Matthias Rasch ist Geschäftsführer der Grundstücks-Gesellschaft Trave mbH. Über die Herausforderungen am Lübecker Wohnungsmarkt sprach der Geograph mit Lebensraum Ziegel. Foto: Lebensraum Ziegel / Christoph Große

Mai 2018 (PRG)Vor welchen Herausforderungen steht der kommunale Wohnungsbau und was sind die Erwartungen an die neue Bundesregierung? Im Interview mit Lebensraum Ziegel sprach Dr. Matthias Rasch, Geschäftsführer der Lübecker Grundstücks-Gesellschaft Trave mbH, über die Situation in der Hansestadt.

Herr Dr. Rasch, bezahlbarer Wohnraum hat sich in den letzten Jahren zum wichtigsten Thema in Deutschland entwickelt. Wie schätzen Sie die Situation für Lübeck ein?

Erfreulicherweise kennen wir den Problemdruck in der Dimension von München, Hamburg oder Berlin hier nicht. Aber wir nehmen wahr, dass Lübeck in den letzten Jahren ein kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen hat – aktuell hat unsere Stadt rund 220.000 Einwohner. Und natürlich hat die Wohnkostenentwicklung in der Metropolregion Hamburg Konsequenzen: Auch unter unseren Mietern gibt es Pendler, die in Hamburg arbeiten.

Aber aus meiner Sicht geht es nicht nur um die, die neu zu uns kommen. Unser Bestand umfasst aktuell mehr als 8.300 Wohnungen, nicht alle davon sind auf dem neuesten Stand, was energetische Niveaus, zeitgemäße Grundrisse oder Ausstattungen angeht. Insofern verfolgen wir neben dem Neubau auch eine Strategie der kontinuierlichen Modernisierung. Mieterinnen und Mieter haben heute einfach gewachsene Ansprüche an ihre Wohnung, denen wir als Wohnungswirtschaft gerecht werden müssen.

Das ganze Land klagt über mangelnde Kapazitäten in Bauindustrie und Baugewerbe. Nehmen Sie das auch wahr?

Auf jeden Fall! Die Bauwirtschaft ist nahezu komplett ausgelastet. Finanzielle Mittel und die behördlichen Abläufe sind zumindest hier in Lübeck nicht das Problem. Wir haben aber schlicht Schwierigkeiten damit, geeignete Bauunternehmen und Handwerker zu finden – sogar bei öffentlichen Ausschreibungen. Insofern würde ich es begrüßen, wenn der Markt sich in den kommenden Quartalen wieder ein Stück weit normalisieren würde.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Kapazitäten der Bauwirtschaft zu erhalten und wenn möglich auszuweiten. Wir brauchen einfach wieder mehr junge Leute am Bau und im Handwerk. Das ist eine riesige Aufgabe für Politik und Gesellschaft.

Die neue Bundesregierung ist jetzt fast 100 Tage im Amt. Welche Forderungen stellen Sie?

Wir als kommunale Wohnungswirtschaft haben drei große Bedarfe, die uns alle betreffen. Insofern erlaube ich mir, hier einmal für die ganze Branche zu sprechen. Es ist erfreulich, dass dem Thema bezahlbarer Wohnraum politisch endlich wieder Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das war ja nicht immer so. Aus unserer Sicht gilt es, die Förderungen jetzt aber auch zu verstetigen, denn die bundesweit zu hunderttausenden fehlenden Wohnungen werden wir nicht morgen oder übermorgen realisieren können. Das ist eine Aufgabe für Jahre – unabhängig von Konjunktur und Steuereinnahmen.

Zweitens, Bauen muss bezahlbar bleiben! Das betrifft nicht nur die Preise für Grund und Boden, sondern vor allem Vorschriften bei Haustechnik, Brandschutz oder Stellplätzen. Ich würde mir wünschen, dass die Ergebnisse der Baukostensenkungskommission nicht einfach in der Schublade verschwinden.

Und drittens, wir brauchen wieder mehr Nachwuchs am Bau bzw. im Handwerk. Das kann über Karrieremöglichkeiten, Bezahlung und Wertschätzung aber auch über Gründungsunterstützung funktionieren.

Als kommunale Wohnungswirtschaft stehen Sie für Nachhaltigkeit am Bau. Wie äußert sich das?

Wir prüfen bei jeder anstehenden Modernisierung, ob und wie sie wirtschaftlich realisierbar wäre. Gelegentlich entscheiden wir uns dann für den Ersatzneubau, wie bei den Sieben Moislingen. Als Bestandshalter bauen wir so, dass unsere Gebäude viele Jahrzehnte mit möglichst geringem Wartungsaufwand funktionieren. Bei Wänden und Fassade setzen wir daher gern auf gebrannten Ton. Vor allem die verblendete Fassade steht für norddeutsches, wertiges Bauen – das schätzen übrigens auch unsere Mieter.

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