Bauphysik – Feuchteschutz

6. Wassereinwirkungsklassen nach Tab. 1, DIN 18533-1

Zur Festlegung der Wassereinwirkung auf die Abdichtungsschicht ist für den geplanten Bauwerksstandort der Bemessungswasserstand zu ermitteln. Dieser ist aus dem Maximalwert folgender Größen festzulegen:

  • Bemessungsgrundwasserstand (HGW)
    → Hinweise zur Ermittlung: Merkblatt BWK-M8
  • Bemessungshochwasserstand (HHW)

Zur Festlegung der Wassereinwirkungsklasse ist gegebenenfalls der Wasserdurchlässigkeitsbeiwert (k-Wert) nach DIN 18130 zur Differenzierung von wenig wasserdurchlässigem Baugrund (k ≤ 10-4 m/s) oder stark wasserdurchlässigem Baugrund (k > 10-4 m/s) zu ermitteln oder durch geotechnische Zuordnung anzugeben.

Nach DIN 18533-1 wird unterschieden in folgende Wassereinwirkungsklassen, die den örtlichen Bedingungen und Nutzungserfordernissen anzupassen sind:

Wassereinwirkungsklassen nach Tab. 1, DIN 18533-1

Wassereinwirkungsklassen nach Tab. 1, DIN 18533-1
Dränung und Abdichtung der Kelleraußenwand mit PMBC (Bitumendickbeschichtung) geschützt durch Vlies
Dränung und Abdichtung der Kelleraußenwand mit PMBC (Bitumendickbeschichtung) geschützt durch Vlies
Abdichtung am Wandsockel mit PMBC und Schutzschicht in Form einer druckfesten Sockeldämmplatten und Noppenbahn
Abdichtung am Wandsockel mit PMBC und Schutzschicht in Form einer druckfesten Sockeldämmplatten und Noppenbahn

W1.1-E — Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden

Einwirkung Bodenfeuchte

  • Bodenplatten ohne Unterkellerung mit Abdichtungsebene ≥ 50 cm oberhalb HGW bzw. HHW auf stark wasserdurchlässigem Baugrund oder Bodenaustausch (k > 10−4 m/s).
  • Baugrund und Baugrubenverfüllung sind stark wasserdurchlässig (k > 10−4 m/s)
W1.1-E | Bodenfeuchte und nicht-stauendes Sickerwasser
W1.1-E | Bodenfeuchte und nicht-stauendes Sickerwasser
  • Unterste Abdichtungsebene ≥ 50 cm oberhalb HGW/HHW.

W1.2-E — Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden mit Dränung

Wenig wasserdurchlässiger Baugrund

W1.2-E | mit Dränung
W1.2-E | mit Dränung

(vgl. Bild → b), bei dem eine auf Dauer funktionsfähige Dränung nach DIN 4095 Stauwasser sicher vermeidet (vgl. Bild → c).

  • Unterste Abdichtungsebene ≥ 50 cm oberhalb HGW bwz. HHW.
  • Wird Boden mit k ≤ 10−4 m/s nicht gedränt, wirkt das aufstauende Wasser drückend als W2-E.
Beispiel Ringdränung (Mindestabmessung) nach DIN 4095
Beispiel Ringdränung (Mindestabmessung) nach DIN 4095

Notwendig nach DIN 4095: Filterfeste Dränschichten vor den zu schützenden Bauteilen, funktionsfähige, fluchtgerecht verlegte formstabile Dränleitungen, Spül- und Kontrollvorrichtungen, rückstausichere Ableitung des anfallenden Wassers in eine zuverlässige Vorflut. 

W2-E – Drückendes Wasser

  • Kann als Grund-, Hoch- oder Stauwasser einwirken.
  • Grund-/Schichtenwasser darf nicht gedränt werden, es wirkt auf Abdichtung als drückendes Wasser ein.

Je nach Höhe des Bemessungswasserstandes werden die folgenden Einwirkungsklassen unterschieden:

W2.1-E – Mäßige Einwirkung von drückendem Wasser

Stauwasser bis 3 m

W2.1-E | Stauwasser ≤ 3 m, ohne Dränung
W2.1-E | Stauwasser ≤ 3 m, ohne Dränung
  • Unterste Abdichtungsebene liegt ≤ 3 m unter GOK und oberhalb des HGW/HHW.
  • Erdberührte Bauteile ohne Dränung nach DIN 4095 in wenig durchlässigen Böden (vgl. Bild → a).
  • Erwartet wird Stauwasser bis zur GOK.

Grundwassereinwirkung bis 3 m

W.2.1-E | Grundwassereinwirkung ≤ 3 m
W.2.1-E | Grundwassereinwirkung ≤ 3 m
  • Unterste Abdichtungsebene liegt ≤ 3 m unter dem Bemessungswasserstand (HGW/HHW).

Hochwassereinwirkung bis 3 m

W2.1-E | Hohe Einwirkung von drückendem Wasser
  • Abdichtungsebene liegt im Bereich des Hochwassers oberirdischer Gewässer.
  • Die Druckwassereinwirkung beträgt ≤ 3 m.

W2.2-E – Hohe Einwirkung von drückendem Wasser

Abdichtung erdberührter Bauteile, auf die unter folgenden Randbedingungen drückendes Wasser über 3 m Wassersäule (1 mWS = 9,80665 kPa) einwirkt.

Stauwasser höher als 3 m

W2.2-E | Stauwasser > 3 m
W2.2-E | Stauwasser > 3 m
  • Unterste Abdichtungsebene > 3 m unter GOK
  • Erdberührte Bauteile befinden sich in wenig wasserdurchlässigem Boden und sind nicht gedränt.
  • Ungünstigster Fall: Stauwasser wirkt > 3 m hoch ein. HGW/HHW ist dann auf GOK anzusetzen.

Grund- oder Hochwassereinwirkung höher als 3 m

W2.2-E | Grundwasser Hochwasser > 3 m
W2.2-E | Grundwasser Hochwasser > 3 m
  • Unterste Abdichtungsebene wird bei Höchstwasserstand (HGW/HHW) > 3 m hoch durch Druckwasser belastet.

W3-E – Nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken

Auf erdüberschüttete Decken wirkt Niederschlagswasser ein, das durch die Erdüberschüttung bis zur Abdichtung absickert und dort abgeleitet werden muss, z. B. durch Dränung, Gefälle, wasserdurchlässige Überschüttung. Die einwirkende Wassermenge kann durch anschließende aufgehende Fassaden erheblich vergrößert werden.

Bei der Abdichtung einer erdüberschütteten Decke muss der tiefste Punkt der Deckenfläche ≤ 30 cm über HHW/HGW liegen. Die Anstauhöhe von 10 cm darf nicht überschritten werden. Andernfalls ist die Abdichtung nach W2-E auszulegen. 

W4-E – Spritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden

  • Wandsockel stellen einen der schadensträchtigsten Bauteilbereiche dar. Daher gelten für Wandsockel besondere Anforderungen an den Feuchteschutz.
  • Grundsätzlich wirken bei ein- und zweischaligem Mauerwerk Spritz- und Sickerwasser auf die Sockeloberflächen, Bodenplatten und Fundamente ein.
  • Wasser kann in und unter Wänden kapillar aufsteigen.
  • Bei Wänden aus zweischaligem Mauerwerk kann abrinnendes Niederschlagswasser in den Schalenzwischenraum sickern.
  • Diese Einwirkungen machen eine Sockel- und Querschnittsabdichtung notwendig.

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