Bauphysik – Schallschutz

3. Berechnung der Luftschalldämmung von Mauerwerk aus Hochlochziegeln nach DIN 4109-2 (Jan. 2018)

Die mittlerweile zurückgezogene DIN 4109 (Nov. 1989) hatte über viele Jahre hinweg für Unsicherheit in der bauakustischen Planung und Ausführung gesorgt, da manche Bauweisen und bauakustische Phänomene nur unzureichend berücksichtigt waren. Vor diesem Hintergrund hat eine umfassende normative Überarbeitung der DIN 4109 stattgefunden. Dabei wurde auch das etablierte Rechenverfahren nach DIN EN 12354 übernommen, mit dem eine akustische Energiebilanzierung erstellt werden kann, die eine deutlich sicherere Prognose der zu erwartenden Schalldämmung in Gebäuden zulässt. Auf Basis der DIN EN 12354 hat die Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e. V. bereits 2010 beim Deutschen Institut für Bautechnik eine bauaufsichtliche Zulassung Z-23.22-1787 erwirkt, die eine prognosesichere Erstellung eines bauordnungsrechtlichen Schallschutznachweises für die Luftschalldämmung von Mauerwerk aus Hochlochziegeln ermöglicht. Diese Erkenntnisse stehen mit Veröffentlichung der neuen DIN 4109 im Jahre 2016 nun auch im deutschen Normenwerk zur Verfügung.

Schallübertragswege

In DIN 4109 (Jan. 2018) erfolgt eine detaillierte Berechnung der tatsächlichen Schallübertragungswege. Neben der Übertragung durch das trennende Bauteil sind sämtliche flankierenden Bauteile wie Außen- und Innenwände sowie Decken an der Weiterleitung von Schallenergie beteiligt. Insgesamt also 13 Wege, die über das trennende Bauteil und 12 Flankenwege.

Schallübertragung über das trennende Bauteil (RDd) und die flankierenden Bauteile (RFf, RFd, RDf) horizontal und vertikal

Einen ebenfalls zu beachtenden Einfluss auf die Übertragung von Schallenergie hat die Art der konstruktiven Ausführung von Bauteilanschlüssen des trennenden Bauteils zu den flankierenden Bauteilen. So gehen die Verbindungsstellen „Außenwand-Trennwand“ für horizontale Übertragung bzw. „Außenwand-Decke“ für vertikale Übertragung entsprechend ihrer Konstruktionsweise als Stoßstellendämm-Maße Kij direkt in die Berechnung des bewerteten Schalldämm-Maßes des flankierenden Bauteils ein. Trennende Bauteile von hoher flächenbezogener Masse erhöhen mit zunehmender Einbindetiefe die Schalldämmung im Knotenpunkt von flankierenden Bauteilen, die eine geringere flächenbezogene Masse aufweisen. Stoßstellendämm-Maße können über die jeweiligen flächenbezogenen Massen der beteiligten Bauteile rechnerisch oder durch bauakustische Messung ermittelt werden. Anhaltswerte für Kij bei horizontaler Schallübertragung über eine flankierende Außenwand mit Einbindung einer schweren Wohnungstrennwand siehe Kapitel „Wohnungstrennwände aus Planfüllziegeln“.

Berechnung des bewerteten Bau-Schalldämm-Maßes R'w zwischen zwei Räumen (vereinfachtes Modell)

mit:
RDd,w Direktschalldämm-Maß Trennbauteil
Ri,w Direkt Dämm-Maß Flankenbauteil 1
Rj,w Direkt Dämm-Maß Flankenbauteil 2
Kij Stoßstellen-Dämm-Maß des Knotens
S Fläche des trennenden Bauteils
V Empfangsraumvolumen
lf Verbindungslänge der Bauteile in [m]
l0 Bezugslänge = 1 m

Berechnung der Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w

Um neben der Beurteilung der Schalldämmung der Bauteile auch ein Bewertungskriterium für den Schallschutz zwischen 2 Räumen zu erhalten, kann die bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w herangezogen werden. Sie ergänzt das bewertete Schalldämm-Maß R'w durch eine Betrachtung der Raumgeometrie.

mit:
S Fläche des trennenden Bauteils
V Empfangsraumvolumen

Bewertetes Schalldämm-Maß einschaliger, homogener und quasi homogener Bauteile

Homogene und quasi homogene einschalige Bauteile sind solche, deren Schalldämmung unmittelbar aus der flächenbezogenen Masse ermittelt werden kann.

Berechnung des bewerteten Schalldämm-Maßes Rw für homogene bzw. quasi homogene einschalige Bauteile aus flächenbezogener Masse:

mit:
m'0 = 1 kg/m²

Berechnungsformel oben gilt nicht für:

  • 65 kg/m² ≥ m'ges ≥ 720 kg/m²
  • Mauerziegel mit Rohdichteklasse (RDK) > 2,0

    Bewertetes Schalldämm-Maß von Mauerwerk aus wärmedämmenden Hochlochziegeln

    Für Mauerwerk aus wärmedämmenden Hochlochziegeln kann die vorhandene Schalldämmung unter derjenigen liegen, die aufgrund der flächenbezogenen Masse für (quasi) homogene Bauteile zu erwarten ist.
    Für solches Mauerwerk muss mit dem verlustkorrigierten (In-situ-Korrektur), bewerteten Direktschalldämm-Maß Rw,Bau,ref aus Prüfzeugnissen gerechnet werden.

    Bestimmung der flächenbezogenen Masse m' einschaliger massiver Wände

    mit:
    m' Flächenbezogene Masse allgemein
    d Dicke der Bauteilschicht in m
    ρ Rohdichte von Wand/Putz in kg/m³
    m'ges m' der verputzten Wand in kg/m²
    m'W m' der unverputzten Wand in kg/m²
    m'P Flächenbezogene Masse m' der vorhandenen Putzschicht in kg/m²

    Ermittlung der Rohdichte a), b) in kg/m³ von Mauerwerk nach DIN EN 1996 aus den Rohdichteklassen (RDK)

    Bewertetes Direktschalldämm-Maß Rw für einschaligesa), raumseitig verputztesb) zusatzgedämmtesc) Hintermauerwerk

    Bewertetes Direktschalldämm-Maß Rw für einschalige, beidseitig verputzte (je 15 mm Gipsputz) Ziegel-Innenwände

    Neues aus der Welt der Ziegel

    Sie haben interessante Informationen oder wollen eine Veranstaltung auf Lebensraum Ziegel veröffentlichen?
    Dann nutzen Sie unseren Service!

     

    zum Veröffentlichungsservice