Mauerwerk – Ausführung

8. Vorgefertigte Wandelemente aus Ziegelmauerwerk

werden nach DIN 1053-4 produziert als:

  • Mauertafeln (mit Mauerwerksnorm DIN EN 1996)
  • Vergusstafeln (mit Stahlbetonnorm DIN EN 1992)

Der Ziegelmontagebau ist eine seit Jahrzehnten in der Praxis erprobte Bauart, bei der Bauteile als Wand- und Deckenelemente werkmäßig mit Hilfe automatisierter Fertigungsanlagen hergestellt werden, sodass auf der Baustelle in kürzester Zeit das gesamte Bauwerk in seinen raumbildenden Elementen montiert werden kann.

Vorteile der Vorfertigung

  • Kurze Bau- bzw. Montagezeiten
  • Terminsicherheit im Bauablauf
  • Witterungsunabhängige Vorfertigung im Werk
  • Konstant hohe Ausführungsqualität aufgrund der maschinen-/robotergestützten Herstellung im Werk in teil-/vollautomatisierten Produktionsprozessen
  • Zuverlässige Kostenkalkulation
  • Reduzierung der Baustelleneinrichtung und -kosten
  • Für Bauunternehmen ist ein Ausbau der Kapazitäten bzw. Kompensation des Fachkräftemangels möglich
  • Ergonomische Vorteile für das Baustellenpersonal, da Wandelemente mit Kran verhoben werden. Montagearbeiten sind auch im hohen Alter ausführbar

Mauertafeln

stellen den weitaus größten Teil der vorgefertigten Wandelemente dar. Die Herstellung erfolgt in stehen-der Fertigung als Einsteinmauerwerk im Verband unter Verwendung von Mauerziegeln nach DIN EN 1996-1-1 oder bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweisen wie z. B. allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ), allgemeine Bauartgenehmigungen (aBG).

Eine Übersicht der aktuell gültigen Verwendbarkeitsnachweise ist beim Güteschutz Ziegelmontagebau e. V. und der Arbeitsgemeinschaft Ziegeldecke erhältlich:
www.ziegel-fertigteile.de

Planung

Nach den Ausführungsplänen des Planers erfolgt die Elementierung, das Einteilen der Wände in Wandelemente. Diese werden in entsprechenden Werkzeichnungen für die Produktion bereitgestellt und als Übersicht für die spätere Montage in Positionsplänen zusammengefasst. Alle geometrischen und technischen Besonderheiten wie Öffnungen, Aussparungen, Stürze, Ringbalken, etc. werden in der Planung erfaßt.

Auch der spätere Bauablauf wird bereits vor der Produktion der Wandelemente gemeinsam mit der Arbeitsvorbereitung und Bauleitung abgestimmt und in den Positions- bzw. Montageablaufplänen berücksichtigt.

Vollautomatisierte Produktionsanlage zur Vorfertigung von geklebten Ziegel-Wandelementen
Vollautomatisierte Produktionsanlage zur Vorfertigung von geklebten Ziegel-Wandelementen

Herstellung

Die Vorfertigung der Elemente erfolgt in teil- oder vollautomatisierten Anlagen. In der Regel werden Wandlängen von bis zu ca. 7 m hergestellt. Anlagentechnisch sind Längen bis 12 m und Wandhöhen bis 4 m möglich.

Aktuell werden in den Werken hauptsächlich folgende Fügetechniken angewandt:

  • Vorgefertigtes Mauerwerk mit gemörtelter Lagerfuge
  • Vorgefertigtes Mauerwerk im Klebeverfahren

Die erste Generation der verwendeten Ziegel unterschied sich durch größere Aussparungen von den üblicherweise auf Baustellen eingesetzten Mauerziegeln.

Diese ergeben, in der Mauertafel verarbeitet, senkrecht durchlaufende Kanäle, in die Aufhängebewehrung für den Transport eingebracht und mit Mörtel vergossen wird. Dieses System wird auch heute noch angewendet.

Zusätzlich wurde der Einsatzbereich für Mauerziegelprodukte erweitert, so dass auch jede andere Art von Mauerziegeln ohne Vergusskanäle eingesetzt werden kann – also auch Wärmedämmziegel und Schallschutz-Füllziegel. Für diese neuartigen Wandelemente werden alternative Transportsysteme genutzt, z. B. Hebebänder, Sockelelemente oder Aufhängungen mit Tragbolzen.

Transport und Montage

Der Transport auf die Baustelle erfolgt mit Innenladertransportern. Die Wandelemente werden dabei stehend in speziellen Transportpaletten vor Ort entladen.

Das Montageteam besteht in der Regel aus 2-3 Personen und einem Kranführer. Tragkraft und Standort des Krans sind entsprechend den Wandgewichten und -positionen zu planen. Zu beachten sind die Allgemeine Montageanleitung des Güteschutz Ziegelmontagebau und die Angaben der Hersteller.

Desweiteren sind relevant: DIN 1053-4 und DGUV-Grundsatz der Bau-Berufsgenossenschaft BGG 301-003 "Prüfung und Beurteilung der Transport- und Montagesicherheit von Fertigbauteilen aus Mauerwerk"

Als Transportsysteme haben sich beispielsweise folgende Anwendungen bewährt:

  • Aufhängebewehrungen in vertikalen Vergusskanälen
  • Aufhängungen mit Tragbolzen in der untersten Schicht
  • Aufhängungen mit Hebebändern
Mauertafel mit Transportsystem „Aufhängebewehrung in vertikalen Vergusskanälen“ als Ansicht (links) und Schnitt (rechts)
Mauertafel mit Transportsystem „Aufhängebewehrung in vertikalen Vergusskanälen“ als Ansicht (links) und Schnitt (rechts)
Mauertafel mit Transportsystem „Hebebänder“
Mauertafel mit Transportsystem „Hebebänder“
Anlieferung von gemörtelt vorgefertigten Mauertafeln (Transportsystem Vergusskanäle) auf Transportpaletten im Innenlader
Anlieferung von gemörtelt vorgefertigten Mauertafeln (Transportsystem Vergusskanäle) auf Transportpaletten im Innenlader
Transportsystem "Innenliegende Aufhängung an  Bolzen in der untersten Ziegelschicht" nach Zulassung
Transportsystem "Innenliegende Aufhängung an Bolzen in der untersten Ziegelschicht" nach Zulassung
Transportsystem "Innenliegende Aufhängung an  Bolzen in der untersten Ziegelschicht" nach Zulassung
Transportsystem "Innenliegende Aufhängung an  Bolzen in der untersten Ziegelschicht" nach Zulassung
Versetzen einer geklebten Mauertafel auf Unterlegeplatten und Anlegemörtel. Danach werden Montagestützen befestigt und die Bauteilfuge mit Montagekleber verschlossen
Versetzen einer geklebten Mauertafel auf Unterlegeplatten und Anlegemörtel. Danach werden Montagestützen befestigt und die Bauteilfuge mit Montagekleber verschlossen

Überwachung und Zertifizierung

Der Güteschutz Ziegelmontagebau e. V. nimmt als anerkannte Überwachungs- und Zertifizierungsstelle die bauordnungsrechtlich geforderte Fremdüberwachung wahr [vgl. MVV TB C 2 bzw. Zulassungen/Bauartgenehmigungen]. Zusätzlich legt er auf Basis von produktbezogen erarbeiteten QS-Richtlinien eine über die normativen Regelungen hinausgehende Ausführungsqualität von Fertigbauteilen aus Mauerwerk und Ziegeldecken fest und überwacht diese. Mitgliedswerke, die die Ausführungsqualität gemäß den gültigen Richtlinien des Güteschutz Ziegelmontagebau e. V. in der Erstüberwachung erfüllen, erhalten das Ziegelmontagebau-Qualitätssicherungs-Zertifikat (ZMB-QS-Zertifikat). Damit erhält der Hersteller das Recht, die Produkte zusätzlich zum Ü-Zeichen auch mit dem ZMB-QS-Label zu kennzeichnen.

Übereinstimmungszeichen
Übereinstimmungszeichen
ZMB-QS-Label
ZMB-QS-Label

Vergußtafeln

werden liegend in Formkästen vorgefertigt. Der Verbund der Ziegel durch Beton erzielt. Dazu werden ausschließlich Ziegel nach DIN 4159 verwendet, die aufgrund ihrer speziellen Formgebung zu einer Wandseite hin offene Kanäle (Vergusskanäle) aufweisen.

Einige dieser Kanäle werden nach statischen oder konstruktiven Gesichtspunkten auch unter Berücksichtigung von Transport- und Montagelastfällen bewehrt. In die Vergusskanäle werden auch für den Transport erforderliche Seilwellen-, Flachstahl- oder Kugelkopfanker ähnlich wie bei Stahlbetonfertigteilen eingebracht [17].

Vergusstafeln werden in Abhängigkeit von den verwendeten Ziegeln in zwei Arten hergestellt:

Ziegel-Vergusstafeln nach DIN 4159 als Hochlochtafeln mit vollvermörtelten Stoßfugen (Bildreihe oben) und als Rippentafeln mit teilvermörtelte Stoßfugen als Schnitte und Ansichten
Ziegel-Vergusstafeln nach DIN 4159 als Hochlochtafeln mit vollvermörtelten Stoßfugen (Bildreihe oben) und als Rippentafeln mit teilvermörtelte Stoßfugen (Bildreihe unten) als Schnitte (Bildspalte links) und Ansichten (Bildspalte rechts)

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